Hitzeschutz für Gebäude: Warum Wohnungen im Sommer überhitzen
Sommerlicher Wärmeschutz: Viele Gebäude sind auf Hitze nicht vorbereitet
Sommerliche Hitze wird für Bewohner und Eigentümer zunehmend zur Belastungsprobe. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG) zeigt: 91 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Deutschlands Gebäude nicht ausreichend auf längere Hitzeperioden vorbereitet sind. Besonders problematisch sind Wohnungen, die sich tagsüber stark aufheizen und nachts kaum abkühlen. Die Ursachen liegen häufig am Gebäude selbst. Fehlender Sonnenschutz, große Fensterflächen, ungünstige Verschattung und Schwachstellen an der Gebäudehülle können die Überhitzung verstärken. Für Eigentümer bedeutet das: Bevor eine Klimaanlage installiert wird, sollten der sommerliche Wärmeschutz und mögliche Sanierungsmaßnahmen geprüft werden. Eine Energieberatung kann dabei helfen, Schwachstellen zu erkennen und Maßnahmen sinnvoll aufeinander abzustimmen.
Hitzeschutz im Gebäude: Warum Wohnungen über 30 Grad erreichen
Der Hitzeschutz im Gebäude hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend ist nicht allein die Außentemperatur, sondern auch, wie viel Wärme in das Gebäude gelangt, wie gut Bauteile Wärme abhalten und ob sich die Räume nachts wieder abkühlen können.
Sonneneinstrahlung kann Wohnräume stark aufheizen
Direkte Sonneneinstrahlung durch Fenster gehört zu den wichtigsten Ursachen für hohe Raumtemperaturen. Besonders betroffen können große Fensterflächen nach Süden und Westen sowie Dachflächenfenster sein.
Treffen Sonnenstrahlen auf die Verglasung, gelangt ein Teil der Energie in den Innenraum. Dort erwärmen sich Böden, Möbel und andere Oberflächen. Die gespeicherte Wärme wird anschließend wieder an den Raum abgegeben.
Ein außenliegender Sonnenschutz kann deshalb besonders wirksam sein. Rollläden, Raffstores, Fensterläden oder geeignete Verschattungssysteme reduzieren den solaren Wärmeeintrag, bevor die Sonnenstrahlung den Innenraum erreicht.
Der BuVEG sieht unter anderem in Verschattung, Dämmung und weiteren Maßnahmen an der Gebäudehülle wichtige Instrumente für einen besseren sommerlichen Hitzeschutz.
Gebäudehülle beeinflusst den sommerlichen Wärmeschutz
Auch die Gebäudehülle spielt beim sommerlichen Wärmeschutz eine wichtige Rolle. Dach, Fassade, Fenster und weitere Bauteile beeinflussen, wie schnell sich ein Gebäude bei hohen Außentemperaturen erwärmt.
Eine energetische Sanierung sollte deshalb nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des winterlichen Heizenergieverbrauchs betrachtet werden. Gut geplante Maßnahmen an der Gebäudehülle können auch den sommerlichen Wohnkomfort verbessern.
Gerade Dachgeschosse verdienen besondere Aufmerksamkeit. Dachflächen sind intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt und können sich erheblich aufheizen. Die Qualität des Dachaufbaus, der Dämmung und des Sonnenschutzes kann deshalb entscheidenden Einfluss auf die Temperaturen in den darunterliegenden Räumen haben.
Sommerlicher Hitzeschutz: Energieberatung vor der Klimaanlage
Beim sommerlichen Hitzeschutz führt der erste Gedanke häufig zur Klimaanlage. Eine aktive Kühlung kann in bestimmten Gebäuden sinnvoll sein. Sie sollte jedoch nicht automatisch die erste und einzige Maßnahme gegen überhitzte Räume sein.
Energieberatung identifiziert die Ursachen der Überhitzung
Eine Energieberatung kann zunächst klären, warum sich einzelne Räume oder das gesamte Gebäude stark erwärmen.
Dabei können beispielsweise folgende Faktoren untersucht werden:
Ausrichtung und Größe der Fensterflächen
vorhandener außen- und innenliegender Sonnenschutz
energetischer Zustand von Dach und Fassade
Qualität der Fenster und Verglasung
Möglichkeiten zur Nachtlüftung
interne Wärmequellen im Gebäude
bauliche Verschattungsmöglichkeiten
geplante energetische Sanierungsmaßnahmen
Die Energieberatung schafft damit eine Grundlage für die Entscheidung, welche Maßnahmen tatsächlich sinnvoll sind.
Bei einem stark überhitzten Dachgeschoss könnte beispielsweise eine Kombination aus außenliegendem Sonnenschutz und einer ohnehin geplanten Dachsanierung wirtschaftlicher sein, als ausschließlich eine Klimaanlage einzubauen und dauerhaft Strom für die Kühlung aufzuwenden.
Klimaanlage kann sinnvoll sein, löst aber nicht jede Ursache
Eine Klimaanlage kann die Raumtemperatur aktiv senken und insbesondere während längerer Hitzeperioden den Wohnkomfort deutlich verbessern.
Sie behandelt jedoch zunächst die hohe Raumtemperatur und verhindert nicht automatisch, dass weiterhin große Wärmemengen in das Gebäude gelangen.
Bei einer schlecht verschatteten Wohnung mit großen Westfenstern müsste eine Klimaanlage beispielsweise gegen die kontinuierlich eintreffende Sonnenwärme arbeiten. Wird zuerst der Wärmeeintrag reduziert, kann auch der Kühlbedarf sinken.
Ob anschließend noch eine aktive Kühlung benötigt wird, hängt vom Gebäude, der Nutzung und den Anforderungen der Bewohner ab.
Gebäudesanierung für den Sommer: Auswirkungen auf Eigentümer und Investoren
Eine Gebäudesanierung kann neben geringeren Heizkosten auch den sommerlichen Wohnkomfort verbessern. Für Eigentümer und Investoren gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung, wenn Gebäude regelmäßig mit hohen Innenraumtemperaturen zu kämpfen haben.
Eigentümer sollten Hitzeschutz bei Sanierungen mitplanen
Wer ohnehin Fenster, Dach oder Fassade sanieren möchte, sollte den Hitzeschutz von Anfang an berücksichtigen.
Bei einem Fenstertausch kann beispielsweise gleichzeitig geprüft werden, ob außenliegende Verschattungssysteme sinnvoll sind. Bei einer Dachsanierung lässt sich untersuchen, welche Konstruktion sowohl den winterlichen Wärmeschutz als auch den sommerlichen Wärmeeintrag verbessert.
Dadurch können mehrere Ziele miteinander verbunden werden: Energieeffizienz im Winter, Hitzeschutz im Sommer und ein insgesamt höherer Wohnkomfort.
Eine nachträgliche Einzelmaßnahme kann dagegen zusätzliche Kosten verursachen, wenn beispielsweise erst neue Fenster eingebaut und wenige Jahre später Sonnenschutzsysteme separat nachgerüstet werden.
Investoren sollten sommerlichen Wohnkomfort berücksichtigen
Auch für Investoren und Vermieter kann der sommerliche Wohnkomfort einer Immobilie relevant werden.
Wohnungen, die sich während längerer Hitzeperioden regelmäßig auf mehr als 30 Grad erwärmen, können für Bewohner erheblich belastend sein. Besonders Dachgeschosswohnungen und Wohnungen mit großen unverschatteten Fensterflächen können betroffen sein.
Bei Modernisierungen von Mehrfamilienhäusern bietet es sich deshalb an, Hitzeschutz und energetische Sanierung gemeinsam zu untersuchen.
Das kann beispielsweise eine Kombination aus Fassaden- oder Dachdämmung, Sonnenschutz und geeigneten Lüftungsmöglichkeiten umfassen.
Klimaanpassung bei Immobilien: Chancen und Risiken des Hitzeschutzes
Die Klimaanpassung von Immobilien wird zunehmend zu einem Bestandteil langfristiger Sanierungsstrategien. Maßnahmen zum Hitzeschutz können den Wohnkomfort verbessern, müssen aber zum jeweiligen Gebäude passen.
Verschattung kann eine vergleichsweise direkte Maßnahme sein
Eine der wichtigsten Chancen beim Hitzeschutz liegt darin, Wärmeeinträge bereits vor dem Eintritt in das Gebäude zu begrenzen.
Außenliegende Verschattung kann dafür eine wirkungsvolle Maßnahme sein. Je nach Gebäude kommen beispielsweise Rollläden, Raffstores oder bauliche Verschattungselemente infrage.
Auch Bäume und andere geeignete Begrünungsmaßnahmen können abhängig vom Standort zur Verschattung beitragen.
Bei der Planung sollten jedoch Architektur, Windbelastung, Denkmalschutz, Kosten und Bedienbarkeit berücksichtigt werden.
Unkoordinierte Einzelmaßnahmen können unnötige Kosten verursachen
Ein Risiko besteht darin, einzelne Maßnahmen ohne Betrachtung des gesamten Gebäudes umzusetzen.
Wer beispielsweise eine leistungsstarke Klimaanlage installiert, obwohl sich der Wärmeeintrag durch vergleichsweise einfache Verschattungsmaßnahmen deutlich reduzieren ließe, kann unnötig hohe Investitions- und Betriebskosten verursachen.
Umgekehrt reicht Sonnenschutz nicht in jedem Gebäude aus. Bei ungünstigen baulichen Bedingungen, sehr hohen internen Wärmelasten oder besonderen Anforderungen der Bewohner kann eine aktive Kühlung weiterhin sinnvoll oder notwendig sein.
Die richtige Lösung hängt deshalb vom konkreten Gebäude ab.
Energieeffizienz und Hitzeschutz gemeinsam planen
Energieeffizienz und Hitzeschutz sind keine Gegensätze. Eine durchdachte Sanierungsstrategie sollte sowohl den Energiebedarf im Winter als auch den Wohnkomfort während heißer Sommer berücksichtigen.
Energetische Sanierung verbessert mehr als den Heizenergieverbrauch
Bei einer energetischen Sanierung stehen häufig Heizkosten und CO₂-Emissionen im Mittelpunkt. Der sommerliche Wärmeschutz sollte jedoch ebenfalls Teil der Planung sein.
Gerade wenn Dach, Fenster oder Fassade ohnehin modernisiert werden, bietet sich die Gelegenheit, unterschiedliche Anforderungen miteinander zu verbinden.
Ein Beispiel: Bei einem Einfamilienhaus soll das Dach energetisch saniert werden. Mehrere Räume im Obergeschoss erreichen im Sommer regelmäßig Temperaturen von über 30 Grad. Statt lediglich den bisherigen Dachaufbau energetisch zu verbessern, können gleichzeitig Dachflächenfenster, Sonnenschutz und Lüftungsmöglichkeiten untersucht werden.
Damit wird aus einer einzelnen Energiesparmaßnahme eine umfassendere Verbesserung des Gebäudes.
Photovoltaik und Wärmepumpe können Teil des Gesamtkonzepts sein
Bei einer größeren Gebäudesanierung können neben Hitzeschutz und Dämmung auch Photovoltaik und Wärmepumpe berücksichtigt werden.
Eine Photovoltaikanlage kann beispielsweise Strom erzeugen, der unter geeigneten Bedingungen teilweise für eine Wärmepumpe mit Kühlfunktion oder eine Klimaanlage genutzt werden kann.
Entscheidend ist auch hier die Reihenfolge: Zunächst sollte der vermeidbare Wärmeeintrag reduziert werden. Anschließend lässt sich berechnen, welcher zusätzliche Kühlbedarf tatsächlich verbleibt und wie dieser möglichst effizient gedeckt werden kann.
Hitzeschutz für Immobilien: Diese Maßnahmen sollten Eigentümer jetzt prüfen
Wer in seiner Wohnung oder seinem Haus regelmäßig Temperaturen von 30 Grad und mehr misst, sollte den Hitzeschutz der Immobilie systematisch untersuchen. Eine Klimaanlage kann Teil der Lösung sein, muss aber nicht der erste Schritt sein.
Gebäude vor Investitionen auf Schwachstellen untersuchen
Eigentümer sollten zunächst feststellen, wann und wo die höchsten Raumtemperaturen auftreten. Besonders hilfreich ist es, die Entwicklung über mehrere heiße Tage zu beobachten.
Anschließend sollten folgende Punkte geprüft werden:
Welche Räume überhitzen besonders stark?
Zu welcher Tageszeit steigen die Temperaturen?
Welche Fenster erhalten intensive direkte Sonneneinstrahlung?
Ist außenliegender Sonnenschutz vorhanden?
Wie ist der energetische Zustand von Dach und Fassade?
Kann nachts wirksam gelüftet werden?
Stehen ohnehin Sanierungsarbeiten an?
Ist eine aktive Kühlung nach baulichen Verbesserungen noch erforderlich?
Können Maßnahmen mit bestehenden Förderprogrammen kombiniert werden?
Damit lässt sich vermeiden, dass Geld in eine Maßnahme investiert wird, die zwar kurzfristig die Symptome lindert, aber die eigentliche Ursache nicht behebt.
Energieberatung und Fördermöglichkeiten vor Sanierung klären
Bei größeren Maßnahmen an Dach, Fassade oder Fenstern empfiehlt sich eine qualifizierte Energieberatung. Dabei können sommerlicher Wärmeschutz, winterliche Energieeffizienz und geplante Anlagentechnik gemeinsam betrachtet werden.
Vor einer Beauftragung sollten Eigentümer außerdem prüfen, ob für die geplanten energetischen Maßnahmen Förderprogramme verfügbar sind und welche technischen Voraussetzungen, Antragsfristen oder Nachweise gelten. Förderbedingungen können sich ändern und sollten deshalb immer anhand des aktuellen Stands geprüft werden.
Wer zwischen Klimaanlage, baulichem Hitzeschutz und Energieberatung wählen muss, sollte daher nicht vorschnell nur eine einzelne technische Lösung betrachten. In vielen Fällen ist es sinnvoll, zunächst die Ursachen der Überhitzung fachlich untersuchen zu lassen und anschließend Verschattung, Gebäudehülle, Lüftung und gegebenenfalls aktive Kühlung zu einem passenden Gesamtkonzept zu verbinden.